Bericht Hermannslauf 2015

Auch dieses Jahr war mein erstes Saison Highlight wieder der Hermannslauf vom Detmolder Hermannsdenkmal zur Bielefelder Sparrenburg.
Mit ein paar Tagen Abstand hier mein Rennbericht.
Die Vorbereitung verlief dank einer Erkältung nicht ganz so reibungslos, wie im letzten Jahr. Ich konnte aber insgesamt sogar ein bisschen mehr Zeit ins Training investieren. Einige Stunden davon sind allerdings in Rennrad fahren anstatt Laufen geflossen.
Dafür ist meine Ausgangsform im Januar deutlich besser gewesen als noch 2014. So ein Marathon im Dezember sorgt zum Glück für etwas Formüberschuss ins nächste Jahr. Gute Vorzeichen also für eine neue Bestzeit. Doch dazu später mehr.

Vor dem Start

Hermannslauf 2015Vor dem Start ging es, wie immer, mit dem Auto nach Bielefeld. Auf dem Weg zum Gymnasium am Waldhof begegnet uns noch ein über 80 jähriger Starter, der sich berechtigte Chancen aufs Altersklassentreppchen ausmalt und am ende den zweiten Platz in seiner Altersklasse erreicht. Respekt für soviel Fitness in dem Alter. Überhaupt beeindruckt mich jedes Jahr, wie lang man Ausdauersport betreiben kann. Selbst mit Zeiten um 2,5h muss man schon ein stattliches Alter erreichen um damit einen Alterklassensieg zu erringen.

Die Startnummernausgabe ist wie immer perfekt organisiert. Nur ein paar Minuten vergehen bis man seinen Startbeutel und das (separat abzuholende) T-Shirt in der Hand hält.
An dieser Stelle schon mal ein Dank an die vielen Helfer und Organisatoren, die den Hermannslauf dahin gebracht haben, wo er heute steht.
Jedes Jahr aufs neue ausgebucht und das völlig zu recht. Auch in diesem Jahr werden wieder irre Mengen an Zuschauern die Strecke säumen. Relativ zu der doch eher abgelegenen Strecke für mich einzigartig.

Nochmal schnell aufs stille Örtchen und dann geht’s ab in den Bus Richtung Denkmal. Auch hier muss man nicht lange warten und kann auf der ca 1 stündigen Fahrt die positiv angespannte Atmosphäre der nervösen Läufer und Läuferinnen in sich aufsaugen.
Am Start darf ich dieses Jahr zum ersten mal aus der ersten Startgruppe A starten. Ein Segen, will man sich nicht schon Ewigkeiten vorher in den Startblock stellen. Aus Gruppe A braucht man jedenfalls keine Angst zu haben, dass man am Anfang im Stau stecken bleibt oder zuviel Slalom Laufen muss. Die meisten Läufer hier sind eher schneller als ich. Deswegen sortiere ich mich auch nicht ganz vorne ein.

Das Rennen

Dann erfolgt der Start um Punkt 11 Uhr. Unter dem Jubel der Zuschauer geht es in die erste Kurve und dann ziemlich schnell bergab Richtung Hermannsweg.
Mein zuvor zurecht gelegter Marschplan ist auf Risiko ausgelegt. So schnell bin ich den Lauf noch nie angegangen und aus Erfahrung weiß ich, dass einem das gerade beim Hermann den Kopf die Bestzeit kosten kann. Die bergab Passagen gehen, zumindest bei mir, deutlich mehr auf die Muskulatur als alles was bergauf kommt.
Die Kilometer bis zum ersten leichten Gegenanstieg laufe ich jeweils in unter 4 min. Im Training und auch beim Probelauf auf der original Strecke hatte das für mich kein großes Problem dargestellt.
Zum ersten Mal laufe ich den Hermannslauf mit Pulsgurt. Weniger um damit mein Tempo zu bestimmen. Eigentlich eher für die Statistik hinterher. Dennoch ist der Puls natürlich ein Indiz für die Tagesform. Und ein schneller Blick auf die Uhr verheißt nichts gutes.
Vor 5 Wochen war mein Puls an der gleichen Stelle einige Schläge niedriger. Und das, wo ich doch jetzt ausgeruht sein sollte.

Keine Zeit sich darüber jetzt zu viele Gedanken zu machen. Der Ehberg steht an. Die erste richtige Prüfung des Tages. Hier komme ich eigentlich immer ganz gut hoch. So auch dieses mal.
Runter vom Gipfel passt der Puls schon wieder nicht so recht zum Tempo. Zu allem Überfluss fängt die Nase an zu laufen. Mist. Die Erkältung scheint doch noch nicht 100% verschwunden zu sein.
Panzerstraße das erste mal enges Zuschauerspalier. Das reicht um die negativen Vorzeichen fürs erste zu vergessen.
Entlang der Senne treffe ich auf Timo. Timo läuft eigentlich ähnlich schnell wie ich. Warum humpelt der mehr als das er läuft? Ich spreche ihn an und er kommt zumindest wieder ein bisschen ans Rollen. Wadenkrämpfe seit dem Ehberg habe er. Verdammt. Dagegen ist meine Erkältung ja noch unter Zipperlein einzustufen. Noch zwei Drittel Strecke und einige fiese Anstiege bis ins Ziel und jetzt schon Krämpfe. Das wird hart. Unvermeidbar fällt er dann auch am nächsten Anstieg wieder zurück.
Hinterher erfahre ich, dass er es trotzdem noch mit einer Zeit von 2 h 39 min ins Ziel geschafft hat. Allergrößten Respekt dafür. Der ein oder andere Schönwetterläufer wäre sicherlich mit DNF ausgestiegen.

Tönsberg und die Strecke durch die Oerlinghauser Menschenmassen verlaufen ohne größe Vorkommnisse. Gefühl ist gut und es rollt.
Doch dann die Ernüchterung. Obwohl es bergab geht und ich das Tempo nicht forciere, ist mein Puls Anfang Schopketal auf einmal über 180.
Das sind Bereiche die ich sonst maximal bei 10 km Wettkämpfen erreiche. Das sieht ganz und gar nicht gut aus und die Erkältung ist wohl doch schlimmer als Gedacht.
Ich nehme etwas Tempo raus und grüble so vor mich hin. Die härtesten 5km des Laufs stehen an und ich fühle mich überhaupt nicht nach „Treppen? Was sind schon ein paar Treppen!“.
Es ist wie bisher bei jedem meiner Hermannsläufe. Im Schopketal entscheidet sich ob’s ein guter oder ein schlechter Tag wird.
2014 hab ich mich hier noch locker gefühlt. Dieses mal ahne ich, dass ich mich wohl eher ins Ziel quälen muss.

An den Lämershagener Treppen kommt dann die Quittung für zu schnelles Angehen bei gleichzeitig schlechter Tagesform. Die Waden vermelden ein leichtes Zucken. Kurz vor Krampf.
Ich wechsle auf zügiges Gehen und hoffe auf ein Wunder. Doch die Leichtigkeit kommt auch danach nicht wieder zurück.
Berg runter rennt es sich noch einigermaßen, doch bei jeder Steigung ist an das trainierte Tempo nicht mehr zu denken.
Hilft alles nichts. DAS IST HERMANN. Auf die Zeit achte ich schon lange nicht mehr.
Mit der Hoffnung noch ein wenig vom Vorsprung aus der ersten Hälfte ins Ziel zu retten, quäle ich mich Kilometer für Kilometer weiter.

Beim letzten mal Treppen hinter Osningstraße, zartbesaitete bitte diesen Abschnitt überspringen, gleicht mein Schnupfen eher einem Bach der kontinuierlich aus der Nase rinnt. Eine Zuschauerin quittiert mein Aussehen, nennen wir es mal positiv Kämpferlook, mit dem Ausruf „Ja lecker!“. Zum Glück mit einem Lächeln auf den Lippen und anschließenden Anfeuerungsrufen.
Ich verfluche den Schnupfengott. Immerhin ist es jetzt fast geschafft. Praktisch nur noch downhill.

An der Strecke erblicke ich das ein oder andere Bekannte Gesicht. Das bringt nochmal ein bisschen Zusatzmotivation für die Zielgerade.
Letztes Jahr habe ich hier fast nur noch überholt. Dieses mal verliere ich Platz um Platz. Lieber wäre es mir natürlich wieder anders herum. Umso mehr gönne ich es heute allen, die ihre Kräfte besser eingeteilt haben als ich.

Das Ziel kommt in Sicht. Ich gebe nochmal alles. Allein dafür, wie man hier nochmal angetrieben wird, hat sich die Quälerei gelohnt. Die Waden zucken nochmal gefährlich aber machen nicht zu.
Im Ziel bin ich körperlich so am Ende, wie schon lange nicht mehr. Essen geht erstmal nichts rein.

Nachbetrachtung

2 h 33 min sagt die Uhr. Das Ziel von 2,5 h knapp verfehlt. Aber meine Zeit aus dem letzten Jahr immerhin um 5 min verbessert und damit neue persönliche Bestzeit. Unter den Umständen bin ich damit voll zufrieden.
Hält der Trend an, knacke ich die Grenze auf jeden Fall im nächsten Jahr.
Muskelkater? Auch der ist in den Tagen danach wieder reichlich vorhanden. Der Hermann ist scheinbar jedesmal eine besondere Belastung.

Hinterher fragt man sich: Was hätte man besser machen können?
Ehrlich gesagt glaube ich nicht viel. Meinen Marschplan hatte ich mir auf Grund meiner Trainingszeiten zurecht gelegt.
Im Training bin ich ähnliche Strecken, bei leicht höherer Pace, im Schnitt mit über 20 Pulsschlägen weniger gelaufen.
Hätte ich vorher um meine schlechte Tagesform gewusst, wäre ich den Lauf sicherlich ruhiger angegangen. Dann wäre wahrscheinlich kein Einbruch im letzten Drittel erfolgt.
Hätte hätte Fahrradkette. Das Risiko war mir bewusst und leider hat’s mich erwischt.
Trotz der Umstände eine neue Bestzeit gelaufen zu sein, zeigt in meinen Augen, dass an einem guten Tag die 2,5 h Grenze wohl deutlich gefallen wäre.
Das lässt positiv auf den Rest der Saison schauen und bietet genügend Gründe im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.
Mit dem Cherusker hab ich noch eine Rechnung offen 😉

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