Bericht Rad am Ring 2014

Lange keine Beiträge mehr hier im Blog. Zeit mal wieder etwas zu schreiben.

Hauptgrund dafür sind wohl die zwei sportlichen Highlights, die ich mir nach dem Hermannslauf noch in den Terminkalender geschrieben hab.
Eins, der Gletschermarathon , relativ geplant und dann kam noch Rad am Ring 2014 dazu. Der Gletschermarathon im Pitztal war mein erster Marathon überhaupt. Dank Netzathleten.de und Dextro Energy durfte ich dieses Jahr bereits meine zweite Teilnahme bei Rad am Ring feiern.  Einfach wieder auf gut Glück beim Gewinnspiel mitgemacht und unerwartet eine Einladung bekommen.

Daher auch eher weniger Zeit fürs Bloggen. Stattdessen stand kombiniertes Rad- und Lauftraining auf dem Programm.
Das Lauftraining habe ich scheinbar ganz gut hinbekommen, jedenfalls ist der Gletschermarathon mit 3h 15min für mich besser gelaufen, als vorher gedacht. Vielleicht schreibe ich dazu auch nochmal einen Bericht, der muss vorerst jedoch auf Grund der frischen Eindrücke von Rad am Ring zurückstehen.

Die Wochen nach dem Marathon war die Form und der Körper dann jedoch ziemlich im Leistungstief. Das viele bergab laufen die Talstraße entlang, hatte meine Oberschenkel ordentlich angegriffen.
Eigentlich war mein Plan nach dem Marathon noch mindestens eine Woche tüchtiges Rad Training dran zu hängen. Daraus wurden dann eher drei Wochen Form Erhaltung und absolute Regeneration.
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Nach jedem Lauf der nur annähernd in Richtung Marathon Renntempo ging, tat mir erstmal wieder eine gefühlte Ewigkeit der Bewegungsapparat weh. Beim Radfahren fehlten mir auf den längeren Touren die Reserven und die Spritzigkeit.
Dementsprechend skeptisch, wie man als Hobbysportler halt so ist, war meine Einschätzung der Leistungsfähigkeit bei Rad am Ring. Ein kleines Zucken im Knie wirft einen ja, spätestens im Gespräch mit anderen Sportlern, um Lichtjahre zurück ;).

Hatte ich im letzten Jahr immerhin 1600km bis zu Rad am Ring zurückgelegt, waren es dieses Jahr gerade mal gute 1200km. Dafür allerdings mit ordentlichem Höhenmeter Anteil. Ich bin ja eh ein Freund von Qualität vor Quantität.
Manchmal klingen solche Standardfloskeln allerdings auch gerne nach Durchhalteparolen um sich sein Trainingspensum schön zu reden.

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Sei es drum. Mit den Erfahrungen aus dem letzten Jahr gab’s ja allen Grund sich auf das Radevent zu freuen. Ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass man es besser auf dem Ring haben kann, als als Teammitglied von Dextro Energy.
Auch das Wetter konnte zu 99,9% nur besser werden.
Zur Erinnerung: Im letzten Jahr gab es Gewitter, Starkregen und zum ersten Mal in der Rad am Ring Geschichte einen zeitweisen Rennabbruch.

Vor dem Rennen

Die Wettervorhersage in diesem Jahr sagte einen größeren Regenschauer voraus, aber dazwischen viel Sonne und warme Temperaturen.
Also Radsachen gepackt und auf Richtung Nürburg.
Anfahrt, bis auf das übliche Freitagsnachmittagschaos rund um Bonn, Leverkusen und co lief glatt durch. Nur die Regentropfen bei der Ankunft waren etwas unheilvoll.

Kurz eine der drei Dextro Orga Team Hotlines gewählt, den immer hilfsbereiten Wolfgang am Rohr gehabt und keine 15 min später stand ich auch schon vorm, im Gegensatz zum letzten Jahr noch beeindruckenderem, Dextro Energy Lager.

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Nach den Erfahrungen vom letzten Jahr sturmfest aufgebaut, mit „Fahrrad-Garage“ und extra Zelt für Physio + Koch.
Ja genau. KOCH! Viel mehr geht wohl nicht, als die Kombination aus Energie in den zahlreichen Dextro Formen und dazu handfeste Nahrung 24h frisch zubereitet.

DSC02265 Dazu noch einige Extras, die man bei Dextro wohl schon zum Standard zählt, die in meinen Augen allerdings nicht selbstverständlich sind.
Hier mal ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Feldbetten statt Isokomfort, Frühstück und Obstauswahl, Kaffee/Tee, Tacx Rollen zum warm machen, Allerlei Sitzgelegenheiten und wohl am wichtigsten, das ganze Team dahinter.
Jederzeit hilfsbereit und immer mit offenem Ohr.

Das das Schlafzelt ein bisschen was von Bundeswehr Tipi hatte, ist bei sämtlichen sonstigen Leistungen echt geschenkt.
Da fühlt man sich als „nur Fahrer“ schon manchmal etwas, wie die sprichwörtliche Made im Speckmantel.

DSC02272 Freitagabend gab’s lecker Essen mit erster kurzer Besprechung und Meet & Greet. Kleine Runde mit dem Rennrad über die Grand Prix Strecke und schon mal die ersten Vorboten des guten Wetters genießen.
Als Fahrer war man dann SELBSTVERSTÄNDLICH früh im Bett 😉

Ruhe vor dem Sturm

Samstag = Renntag

Samstag, endlich geht’s los… jedenfalls fast. Erstmal Frühstück, und den Läufern von 5 und 10km Lauf zuschauen. Ich muss sagen, eine Teilnahme hätte mich ja auch gereizt, aber erschien mir auf Grund der Wehwehchen im Vorfeld dann doch als zu gewagt.

Insgesamt ist Dextro mit 5 Rennrad- und, Premier, einem Mountainbike-Frauen-Team vertreten. Die Mädels räumen dann auch gleich mal den ersten Platz der Damen Konkurrenz ab. An dieser Stelle nochmal Glückwunsch zu der Bomben-Leistung.
DSC02282Teamkapitän und „Sportlicher Leiter“ aller Dextro-Teams ist erneut  ex Profi und Großglocknerkönig Gerrit Glomser. Ein sympathisches Kerlchen aus dem schönen Österreich mit leichtem Hang zur Selbstzerstörung ;), der dieses mal sogar ein paar Runden auf Zeit drehen wird.

Aus meinem Team kenne ich noch den Tobi aus dem letzten Jahr, der Rest muss erst noch kennengelernt werden. Das ist sicherlich für eine Teamveranstaltung wie ein 24h 4er-Teamrennen schon etwas speziell, sorgt aber dafür, dass man relativ befreit an die Sache rangehen kann.
Denn rein von der Teamwertung her  ist sowas natürlich eine absolute Wundertüte.
So steht der Spaß absolut im Vordergrund und jeder fährt einfach das, was er kann. Eine gewisse Teamdynamik entwickelt sich natürlich trotzdem.

Teammitglied Georg wird dann auf Grund seiner Rennerfahrung, die sich zumindest etwas von „nicht vorhanden“ und, wie bei mir, „einmal Rad am Ring mitgefahren“, abhebt, gleich mal zum Startfahrer bestimmt. Das ist Ehre und Fluch zugleich. Am Start ist die Unfallgefahr sicherlich mit am höchsten, dafür kann man natürlich zumindest die ersten Kilometer ein bisschen im großen Feld mitschwimmen.
Die Startrunde ist die einzige Runde, wo man etwas unterhalb von 26km landet, weil man nicht die komplette Runde durchs Fahrerlager dreht, sondern hinter der NGK-Schikane gleich auf die Nordschleife rausfährt.

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An zweiter Position werde ich starten, drei der Olli und als vierter Fahrer macht Tobi unser Team komplett.

Vor dem Start der 24h Rennen gibt es noch einige Jedermänner und, neu in diesem Jahr, eine extra E-Bike Wertung.
Die sorgt auch gleich für Erheiterung, weil es scheinbar nur eine Hand voll E-Bike Teams gibt und wir uns beim Zuschauen alle Fragen, ob das alles ist.
Die E-Bikes fahren, im Gegensatz zu allen anderen, nicht die übliche Strecke zur Hohen Acht durch das Caracciola-Karussell hoch, sondern müssen die, im regulären Betrieb nicht zugängliche, Steilstrecke mit bis zu 27% Steigung befahren.
Gefühlt sind jedoch mehr Leute mit dem Management der E-Bike Fahrer und Absperrung an der Steilstrecke beschäftigt, als wirkliche E-Biker unterwegs.

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Weg von den „Elektro-Mopeds“, hin zum echten Sport.
Als Georg mit den restlichen Startfahrern vorbeisaust steigt so langsam das „jetzt geht’s endlich Los“ Gefühl. Nun ist es nicht mehr lang bis zu meiner ersten Runde Grüne Hölle.
Ein letztes mal das Rad, Tacho und co checken und dann warten bis Georg von der 180° Kurve am Ende von Start-Ziel wieder ins Blickfeld kommt.

Nach guten 49 Minuten reicht er mir schließlich die Dextro-Energy Flasche, welche unseren Transponder enthält und ab geht’s auf eine 26km Runde Rad am Ring.

Eine Runde Rennrad auf dem Nürburgring

Von dem sehr gut gewählten Startpunkt des Dextro Lagers geht es erstmal in einer langgezogenen Linkskurve leicht bergab. Gut um gleich ein bisschen Tempo aufzunehmen.
Allerdings ist hier auch gleich aufpassen angesagt, denn zur Rechten liegt der Abbiegepunkt für die Mountainbike Teams. Hier heißt es links halten, damit man nicht von einem Mountainbike gekreuzt wird.

Es folgt eine 180° Wende, in deren Verlauf es das erste mal über  Zeitnahme Matten geht. Der südlichste Punkt der ganzen Runde.
Tritt man in der Warsteiner Kurve ordentlich rein, wird man mit über Tempo 50 belohnt, bevor es den ersten kleinen Anstieg hoch geht.
An dessen Ende heißt es obacht für alle 24h Fahrer, die nicht die Startrunde fahren.
Hier nicht links, sondern rechts Richtung Boxengasse fahren.
Gerade am Anfang des Rennens sieht man hier des öfteren Fahrer leicht straucheln und in die Eisen gehen, die sich nicht sicher sind, welcher Weg denn nun der richtige ist.

Von da an wird das restliche Fahrerlager durchfahren und schließlich nach einer weiteren 180° Kehre auf die Boxengasse eingeboben.
Ich bin jedes mal froh, diesen Teil hinter mir zu lassen, da es im gesamten Fahrerlager meistens recht voll zugeht und Tempo machen auch gerne mal mit Bremsen bestraft wird, weil ein unvorsichtiger Fahrer den Weg kreuzt.

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Ende Boxengasse noch eine kleine links rechts Kombination, Übergang in den Wiegetritt um am Anstieg nicht zu viel Tempo einzubüßen und raus geht es auf die Nordschleife.

Endlich grün, Endlich breite Strecke und endlich Temporausch auf der Abfahrt.
Bergab geht es durch die Hatzenbach Kombination. Hat man Glück mit dem Verkehr, braucht man hier nicht bremsen und kann durchaus 70-80km/h erreichen.
Es folgt der Abschnitt Hocheichen und dann die Quiddelbacher Höhe. Hier heißt es Gas geben und ggf. runterschalten, sonst kommt man nicht ungeschoren über den kleinen Anstieg.

Rasant geht es weiter. Flugplatz und dann das Schild „Schwedenkreuz“. Hier macht mein Herz jedesmal einen kleinen Sprung. Weiß ich doch, dass nach der Rechtskurve die berühmt berüchtigte Fuchsröhre kommt. Der schnellste Abschnitt der ganzen Strecke und mit das geilste, was man so als Rennradfahrer runterrollen darf.
Fahrer, die Glück mit dem Windschatten haben und bei ihrer geduckten Haltung auf dem Rad sämtliche Sicherheitsbedenken über Bord werfen, erreichen hier nicht selten über 100km/h.
Mein GPS gemessener maximal Wert wird hier am Ende des Wochenendes bei knapp über 90km/h stehen.

Bei diesem Tempo wird die Außenwelt so weit es geht ausgeblendet. Hier darf man keinen Gedanken daran verschwenden, was bei einem Reifenplatzer oder Hindernissen auf der Fahrbahn passieren könnte.
Ausgangs der Rechtskurve wechselt die Strecke von „verdammt Steil runter“ zu „verflucht wird das schnell“ und ich bekomme trotz Brille Pippi die Augen. Andere Fahrer nimmt man nur noch schemenhaft wahr und betet, dass alle ihre Linie halten.
Unten in der Senke drückt es einen förmlich in den Sattel. Vergleichbar mit dem auf und ab auf einer Achterbahn. Hier macht die Strecke eine ganz leichte Kurve. Nicht die Nerven verlieren und bremsen oder lenken. Einfach gerade durch.  Gerade als man denkt „Lass es nie zu Ende gehen“, folgt der Anstieg.

Alle Maschinen Stopp

Bloß nicht von dem Temporausch eben blenden lassen und daran denken, dass die Rennmaschine auch eine Schaltung hat, sonst bleibt man hier glatt Stecken.
Eben noch schnell wie Speedy Gonzales, wird man gnadenlos ausgebremst. Investiert man ein paar Watt, wird man jedoch schnell mit der nächsten Abfahrt belohnt.

Hat man nicht zu viele Fahrer um sich rum, kann man hier mit der Ideallinie ordentlich Körner sparen und ist trotzdem schnell unterwegs.
Trifft man hier die passenden Einlenkpunkte, kann man reihenweise Leute überholen. Trifft man sie nicht, wird man mit deutlichem Geschwindigkeitsunterschied überholt.

Spätestens nach dem Abschnitt Ex-Mühle, wenn man das Schild Bergwerk sieht ist allerdings Schluss mit lustig.
Die nächsten 5km geht es faktisch nur noch bergauf.

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Reboot, Muskeln locker machen, vllt noch ein Schluck aus der Pulle. Nun kommt der anstrengende Teil.
Es folgen 3km mit durchschnittlich 6%, zwischendurch geht es aber auch gerne mal kurzfristig über die 10% Marke.  Jetzt heißt es Rhythmus finden und nicht von anderen Fahrern irritieren lassen, die jetzt schon im Wiegetritt langsam von einem wegziehen. Den Großteil wird man später wieder treffen.

Spätestens jetzt erweist sich meine neueste Errungenschaft am Rad als Gold Wert. Ein paar Wochen vor Rad am Ring habe ich mir das Garmin Vector Wattmesssystem gegönnt. Natürlich für mich als reinen Hobby Fahrer eher technische Spielerei, als soviel Geld Wert, aber gerade in den Steigungen mehr als hilfreich.
Da ich vom Training weiß, wieviel Watt ich ungefähr treten kann, ohne mich total auszupowern, versuche ich die Werte ungefähr zu halten.
An manchen Stellen bremst man sich bewusst ein, während man anderorts, wo man gefühlt schon fix unterwegs ist, sich doch noch zwingen kann, ein paar Watt drauf zu packen.

Zurück auf die Runde. Es ist heiß, das Trikot längst aufgezogen und die Sonne am brennen. Obwohl das Rennen noch nicht alt ist, klinken sich bereits die ersten Teilnehmer am Streckenrand aus. Wohl dem, der Streckenkenntnis hat und weiß, was auf ihn zukommt.
Das Feld schlängelt sich Meter für Meter den Berg hinauf. In der Nacht ist dies hier, so verrückt es auch klingt, meine Lieblingsstelle. Nirgendwo ist die Welt um einen herum mehr entschleunigt als hier.
Fährt man nachts teilweise sogar regelrecht alleine in den Abfahrten, ist spätestens an diesem Anstieg Schluss damit. Hier ist Ruhe. Hier ist Leiden. Hier schlängelt sich eine Perlenkette aus roten Lichtern den Berg hinauf. Nur unterbrochen vom Materialknacken und leisen Keuchen der anderen Fahrer.

Einzige Möglichkeit kurz durchzuatmen bietet sich nach 3km am Caracciola-Karussell. Auf der Innenbahn kann man nochmal „beschleunigen“ und erreicht im Vergleich fast Fuchsröhren-anmutende 30km/h.
Doch das dicke Ende kommt zum Schluss.

Hohe Acht

Wer seinen Puls bis jetzt noch im erträglichen halten konnte, dem gelingt das spätestens jetzt nicht mehr. Alles schaltet nochmal runter was geht. Nur die paar verrückten Konditionsbestien im Feld sehen hier noch nach RENNradfahrer aus.

Es geht brutal nach oben. Auf den ersten Überquerungen behalte ich mir noch ein letztes Rettungsanker Ritzel. Doch zum Ende der 24h ist auch bei mir frühzeitig Kette ganz links angesagt. Viele verfallen in ein leichtes Schlingern oder geben doch lieber auf, um auf dem Grün hoch zu schieben.
Einmal fährt mir ein Franzose mit leichtem Schwächeanfall fast von rechts in mein Rad. Nur mit guter Reaktion kann ich einen Zusammenstoß verhinden.

Der Anstieg mit teils bis zu 18% ist zwar nicht lang, aber gemein. Schließlich hat man schon 4,5km bergauf in den Beinen.  Diejenigen, die keine Körner mehr aufgespart haben, fangen an zu fluchen. Jede Materialschwäche wird hier gnadenlos aufgedeckt. Bei manchen Rädern hat man das Gefühl, jeden Moment wird irgendein Bauteil abreißen.

Und dann ist es geschafft. Die Kuppe erreicht. Jede Runde bin ich erleichtert, nicht abgestiegen zu sein. Jetzt kommt nur noch die Zugabe, die Kür sozusagen.
Den Verpflegungsstand lasse ich links liegen. Als 4er Team Fahrer bin ich im Dextro-Lager bestens versorgt und kann dort meine Reserven auffüllen.

Endlich geht es wieder bergab und man kann etwas abkühlen.  Die folgenden Kurven kann man mit so viel Geschwindigkeit nehmen, dass einen die ein, zwei folgenden Hügel zwischendurch fast nicht abbremsen.

sportograf-52209921_lowresDann nochmal beißen am Schwalbenschwanz, durch das kleine Karussell und schon steht der letzte kurze Anstieg vor der Döttinger Höhe an. Galgenkopf heißt das ganze.
Wer hier keine Kraft mehr hat, tut gut daran, sich am Galgenkopf einer Gruppe zu suchen, um sich die Arbeit einzuteilen.
Die nächsten zwei Kilometer geht es nämlich lang und breit geradeaus. Hier bricht nichts den Wind und ohne Windschatten ist man hier völlig auf sich allein gestellt.

Während ich hier im letzten Jahr meistens zu kämpfen hatte, kann ich dieses Jahr noch eher selbst das Tempo machen und auch mal kleinere Löcher zu anderen Gruppen zufahren.
Das scheint auch ein anderer Fahrer bemerkt zu haben, der sich hartnäckig an mich dran gehängt hat. Ich verringere etwas die Intensität, schaue mich um, signalisiere damit „du darfst auch gerne mal ein paar Meter im Wind fahren“.
Bei meinem Verfolger ist aber entweder keine Kraft oder keine Motivation vorhanden. So taktiere ich etwas, verlangsame das Tempo noch ein kleines bisschen um dann, beim Übergang in die leichte Steigung, das Tempo plötzlich anzuziehen.
Hinter mir höre ich noch ein lautes „NICHT SCHLECHT!“, dann bin ich weg.

In solchen Momenten zahlt sich das Training an den heimischen Anstiegen aus. Am Ende einer Runde durch die Grüne Hölle nochmal zulegen zu können, motiviert einfach ungemein.

Durch das erfolgreiche Abschütteln des sogenannten „Lutschers“ fast etwas übermotiviert, fliege ich die rechts Kurve zu Start-Ziel  fast hinauf. Leider keine Gruppe in Sicht, an die ich mich meinerseits für die letzten schnellen Meter einreihen könnte, doch dann das:
Der Sprecher sagt durch, dass gleich die 150km Jedermänner angerollt kommen und in dem Moment rast auch schon der führende an mir vorbei.
Ich denke mir „Lottogewinn“ und beschleunige nochmal das Rad um ein paar km/h. Wenn doch jetzt nur eine Lücke käme… Und da ist sie. Quasi genau auf der Start-Ziellinie bietet sich die Gelegenheit.
Ich reihe mich in den Jedermann-ICE ein und fliege noch ein paar hundert Meter bis zur finalen 180° Kehre mit.
Die über 50km/h werde ich an dieser Stelle das ganze Rennen nicht mehr erreichen.

Mit Schwung geht es um die Kurve und wieder hinauf zu unserem Fahrerlager. Ich hebe die Hand um ein „Achtung Teamkollege ich komme“ zu signalisieren, drücke Olli meine Flasche in die Hand und lasse mich verschwitzt, aber glücklich, erstmal aus den Pedalen fallen.

Wer bis jetzt noch nicht das Lesen aufgegeben hat. Vielen Dank. Das war eine (meine) Runde Rad am Ring über die Nordschleife.

Runde 2-7

Die weiteren Runden und Stunden gestalten sich sehr abwechslungsreich. Verschiedene kleine Pannen unseres- und anderer Teams sorgen immer wieder für Erheiterung.
Mal ist der nächste Fahrer statt startbereit am Streckenrand noch auf der Rolle, mal wird statt der Transponder Flasche die Trinkflasche weitergegeben usw.
Während unserer Doppelrunden in der Nacht schäle ich mich gegen kurz vor 4 Uhr aus dem Schlafsack. Netterweise mache ich die  vierte Doppelrunde, habe also immerhin ca 6h Zeit um ein bisschen Ruhe zu finden. Ich schaffe es tatsächlich ein paar Stunden zu schlafen.
Aus erstem Kältereflex ziehe ich mich dicker an als nötig. Gerrit macht mir allerdings schnell Mut, dass das Wetter immer noch top ist und ich die Jacke mit Sicherheit nicht brauche. Recht hatte er.

Dann ein verschlafener Blick auf unsere Team Tabelle… Hier trägt jeder Fahrer seine Zeit und Uhrzeit ein, zu der er wieder zurück im Lager war.
Ich schaue schlaftrunken auf den Zettel. Sehe etwas von 2h 07min und 17 nach… Überschlage kurz. Passt sich mit meiner Erwartungshaltung.
Also Rad Klamotten an und ab an die Strecke.
Nur wo bleibt Georg? Erste Witze werden gemacht, warum ich denn immer noch stehe und warte… so langsam schwant mir. Du könntest dich verlesen haben…
Also wieder zurück ins Aufenthaltszelt… Ein Aha Erlebnis:
Nicht 2:17 Uhr steht da als Ankunftszeit. Nein 3:17 Uhr… Also ne knappe Stunde später als von mir erwartet. Tobi war auf seiner Doppelrunde ein bisschen eingebrochen und hatte länger gebraucht als gedacht.

Also Kommando zurück. Noch gemütlich einen Kaffee trinken, bisschen frühstücken und ruhig weg.
Interne Notiz an mich. Nächstes mal in der Nacht die Ankunftszeiten auf das Handy des jeweils nächsten schicken. Dann kann der oder diejenige noch schön, solange es eben geht, liegen bleiben.

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Als ich dann endlich wieder auf die Strecke darf, hat der Sonnenaufgang schon eingesetzt und ich kann mein Frontlicht schon vor der Runde wieder abbauen.
Auch die Doppelrunde läuft erstaunlich gut. Einmal rutscht mir zu Beginn der ersten Runde die Kette runter, was dazu führt, dass ich einige Anstiege lieber auf dem großen Blatt durchtrete. Autsch.
Als die Temperaturen später wieder anziehen, schaltet alles wieder gewohnt gut.
Beim zweiten mal hohe Acht merke ich die Belastung doch mächtig in den Beinen und wünsche mir innerlich etwas mehr Übersetzungsspielraum.
Großen Respekt vor den Einzelfahrern, die hier Runde an Runde ohne Pause abspulen.

Am Ende von Doppelrunde 2 kommt Team Kollege Gerrit Glomser an mir vorbei geflogen. Ich erkenne ihn erst im letzten Moment am Trikot und mehr als ein lautes Gerrit und mein Missmut, dass er mich nicht den kleinen Anstieg hochzieht, sondern gleich gefühlte 100m weiter ist, sind nicht drin.

Aber trotzdem motiviert diese kurze Begegnung. Auf dem Teil der Strecke kann ich ihm nämlich noch einen Moment hinterher schauen, wie er am nächsten Anstieg reihenweise andere Fahrer umkurvt und im wiegetritt den die Strecke lang pflügt.

Ich schüttle nur den Kopf und grinse ein wenig in mich hinein. Das ist Sport und allein für das kurze Intermezzo hat sich die Runde schon gelohnt.

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Ganz klar eine andere Liga und für mich der Beweis, dass im Radsport eben nicht jede außergewöhnliche Leistung nur mit Doping zu tun hat, sondern vor allem mit viel Talent und jahrelangem eisernem Training.

An dieser Stelle möchte ich nochmal hervorheben, wie Toll es ist ein Lager mit gleich mehreren Teams zu haben. So findet man immer bekannte Gesichter beim wieder einkehren von der eigenen runde. Die eigenen Team Mitglieder sieht man spätestens in der Nacht ja meist nur noch zum Wechsel.

So findet sich immer ein offenes Ohr und jemand, der sich zumindest aus Höflichkeit 😉 für die sicherlich, gemessen an allen Fahrern, doch oft gleichen Eindrücke der eigenen letzten Runde begeistert. Das hilft ungemein um ein bisschen runter zu kommen und sich auf die nächste Runde vorzubereiten.

Die Morgenstunden vergehen dann auch wie auf der Vorspultaste. Die letzte Runde planen wir alle nochmal zusammen zu fahren. Ich dachte mir schon, dass Olli, unser vorletzter Fahrer, keine Lust haben wird gleich noch einmal auf die Runde zu gehen.
Als wir jedoch später im Ziel sind, sagt er, dass er sich spätestens 20 min später geärgert hat, nicht mit uns los gefahren zu sein.
Verstehen kann ich ihn, genauso ging es mir. Aufgepumpt nach der Runde kann man sich nicht vorstellen, gleich nochmal die Runde mit der knackigen Steigung hoch zu müssen.
Aber dann kommt die Gier auf diese wunderbare Strecke…

So wartet Olli kurz vor Start-Ziel auf uns und wir Rollen als Gruppe glücklich über die Linie.

Selbst die unermüdlichen fleißigen Bienen von Dextro können sich der Stimmung beim finalen Ziel Einlauf nicht entziehen.

Wird mir doch gleich von mehreren geschildert, dass sich trotz dessen, dass man selbst nicht mitgefahren ist, reichlich Gänsehaut breit gemacht hat.

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Für mich sind die vielen Helfer im Hintergrund übrigens genauso zu bewerten, wie die Fahrer, die dieses harte Rennen hinter sich bringen. Unermüdlich bei klammer Luft in der Nacht und brütender Hitze am Tag an der Strecke zu stehen und die Versorgung sicher zu stellen, sowie den reibungslosen Ablauf im Hintergrund zu Gewährleisten verdient Anerkennung.

Bin ich vorher nie an einer Verpflegung angehalten, machen wir das auf der allerletzten runde nochmal. Da weiß ich gar nicht wer erschöpfter aussieht. Die Fahrer, die grad den Anstieg hinter sich gebracht haben oder das Team hinter der Theke, die, umgeben von gefühlten 100 Wespen, Cola und allerlei sonstige Leckereien austeilen.

Hut ab!

Statistik und Fazit

Hier mal mein kleines Resümee.
Vorgenommen habe ich mir, ähnlich wie im letzten Jahr, die Runden halbwegs konstant zu fahren. Die gleiche Marschrichtung hat auch Gerrit unser Team Kapitän vorgegeben. Nicht voll auspowern, lieber auch am Sonntag noch schnell unterwegs sein.
Nach den Erfahrungen im letzten Jahr und dem Marathon in den Beiden, war ich mir eigentlich sicher, dass mich das nicht gelingen würde. Doch erstaunlicherweise bleibt der Einbruch aus.
Ja, die erste Runde fährt man natürlich noch etwas frischer und aufgeputscht. Danach jedoch spule ich meine Runden sehr konstant runter.

Die Endabrechnung sieht so aus. Runde 4 und 5 wurden hintereinander weg gefahren. Um über Nacht zumindest etwas zur Ruhe zu kommen.

–          Runde 1: 48min

–          Runde 2: 51min

–          Runde 3: 51min

–          Runde 4: 52min               (1/2)

–          Runde 5: 55min               (2/2)

–          Runde 6: 52min

–          Runde 7: 1h 4min (gemütliche Ehrenrunde ohne Transponder mit Sightseeing auf der Hohen Acht)

Macht in Summe 182km bei ca. 3500 Höhenmetern. Mein barometrischer Sensor sagt etwas weniger Höhenmeter. Garmin und Strava weisen etwas mehr aus.

Meine Erklärung für die doch hohe Konstanz ist vielschichtig.
Das Wetter hat dieses Jahr für wirklich hervorragende Bedingungen gesorgt. Zu keiner Zeit hatte ich ein schlechtes Gefühl auf der Strecke oder die Gefahr wegzurutschen.
Durch die super Bedingungen war es mir teilweise möglich, durch zunehmende Streckenkenntnis und bessere Linie in den Kurven, einiges an verlorener Leistung auszugleichen.
Runde 3 habe ich z. B. schneller gefahren als Runde 2 und das bei leicht verringerter Watt Zahl.
Hier muss man teilweise Glück mit Gruppen, der Ideallinie und Verkehr auf der Strecke haben.
Auch das Garmin Vector System hat mir sicherlich geholfen, nicht zu überziehen.
Zudem wird das intensive Training für den Gletschermarathon sicherlich auch seinen Teil zu einer guten Ausdauer beigetragen haben.
Nicht vergessen darf man auch die 110%tige (!) Versorgung durch Dextro Energy. Als Fahrer hatte man nun wirklich jederzeit alles, was man braucht. Wer da vergisst Energie nachzutanken, ist wirklich selber schuld.
Sehr empfehlen kann ich an dieser Stelle den neuen Protein Shake von Dextro. Geschmachsrichtung Vanille. Hat mir sehr gut geschmeckt. Bisher eigentlich kein Freund jeglicher Muskelshakes und vergleichbarem, hab ich mir hier gleich mal ne Dose von gekauft.

Disclaimer – NEIN, ich bekomme die Sachen leider nicht von Dextro Energy geschenkt, hier spricht einfach die pure Begeisterung eines sehr gelungenen Rennwochenendes, dass ich mit etwas Glück bei den Netzathleten gewonnen habe 😉 – Disclaimer Ende

Was bleibt sind unvergessliche Eindrücke eines tollen Renwochenendes, viele nette neue Gesichter, unnermüdliche Teams, ein bisschen Stolz und eine Medaille.

Flasche leerVom Ring fahre ich noch am Sonntag direkt nach Koblenz, um bei Canyon mein Rad auf Vordermann bringen zu lassen. Dort hatte sich schon vor Rad am Ring ein Lackriss rund um das Tretlager gebildet.
Darum ist mein Canyon Renner nun nicht mehr Fuji Metallic White, sondern nun „nur noch“ schwarz weiß. Aber das ist eine andere Geschichte.

In der Nacht nach dem Rennen im Hotel wache ich, für mich ungewöhnlich, nachts auf schaue an meinen malträtieren Oberschenkeln herunter und da ist diese Stimme…

Eine Runde Nordschleife ginge schon wieder!

 

Alle Bilder gibt’s hier in der Galerie

 

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