Bericht Shenzhen Marathon 2014

Anfang Dezember habe ich ein kleines Marathon Abenteuer in China unternommen
Eine wirklich großartige Erfahrung. Falls sich mal die Möglichkeit bietet in Asien einen Wettkampf zu laufen, tut es!
Hier mal ein kleiner Bericht, wie es dazu kam. Im Bild meine Kollegen und ich + CFO von Hytera China.

Shenzhen Marathon 2014

In China Marathon zu laufen ist gar nicht so einfach. Es gibt einfach nicht viele.
Das liegt überwiegend daran, dass es keine Vereinsstruktur gibt, wie hier in Deutschland.
Einfach eine Gruppierung Gründen und etwas veranstalten, das geht nicht. Alles staatlich geregelt. Zusätzlich ist der Laufsport auch noch nicht sehr populär. Jedenfalls wurden wir bei unserem Trainingslauf dort etwas verwundert angeguckt. Wenn, wird dort eher in Sportstätten trainiert, als auf öffentlichen Bürgersteigen, wie wir es getan haben.

Ende 2013 fand zum ersten mal ein Marathon in Shenzhen statt.
Hier mal ein paar Eckdaten zur Laufveranstaltung und der Stadt.
Angeboten wurden die Distanzen 6km, Halbmarathon und Marathon.
Teilnehmer ca 15.000. Davon ca. 3000 beim Marathon.
Datum des Laufs 7.12.2014

Shenzhen 2014

Shenzhen? Wo liegt das überhaupt?
Ich würde tippen jeder von euch hat schon mal ein Produkt aus Shenzhen in der Hand gehabt. Sozusagen das Silicon Valley von China. Hier produzieren eine Menge High-Tech Unternehmen und unter anderem auch mein Arbeitgeber. Die Hytera Mobilfunk GmbH. Falls ihr mal Zeit habt, guckt doch auf der Webseite vorbei, freut sich unser Marketing Team 😉

Die Stadt hatte noch vor nicht allzu kurzer Zeit (1979) gerade einmal 30.000 Einwohner. Jetzt über 10 Millionen!
Ich stelle mir das ungefähr so vor, wie wenn man nach 30 Jahren in sein Heimatdorf auf dem Lande zurück kommt und dort ist auf einmal Berlin!
Gelegen direkt neben Hongkong, jedoch nach wie vor durch einen Grenzübergang voneinander getrennt.
Ohne Visum keine Einreise von Hongkong nach Shenzhen!
Bedingt dadurch, dass es eine Planstadt ist, gibt es schön viele Breite und lange Straßen. Die sind allerdings trotzdem immer voller Verkehr.
Dort liegt also der Hauptsitz meines Arbeitgebers, der den Lauf schon beim letzten mal mit Funkgeräten ausgestattet hat. Das was der Grund, warum wir überhaupt darauf aufmerksam wurden.

Shenzhen 2014

Wir das ist eine Gruppe von laufbegeisterten Kollegen, die die (vorerst) Schnapsidee hatten: „Da müssten wir doch eigentlich mal mitlaufen!“. 2013 hatte uns niemand Bescheid gesagt, dass es den Marathon dort überhaupt gibt. Obwohl häufiger Mitarbeiter von uns aus Deutschland dort vor Ort sind.
Viel Engagement und freundliche Beschwerde meines Chefs führte dann dazu, dass wir zum 2014er Marathon von der Chinesischen Konzernführung eingeladen wurden.

Ansonsten wäre ein Marathon in China wohl nicht in unsere engere Auswahl als Laufziel gerückt. Ohne die Hilfe der Kollegen in China wären wir wohl auch schon an der Anmeldeprozedur gescheitert. Da wurde sich wirklich um alles gekümmert und so kam es dann, dass wir Anfang Dezember in einer Maschine nach Hongkong saßen. Noch etwas ausgebremst durch den Lufthansa Streik aber auch das konnte uns nicht aufhalten 😉

Shenzhen 2014

Da erst relativ kurzfristig fest stand, ob wir wirklich reisen, war das Training mehr schlecht als recht. Die Zielsetzung von uns allen war dann auch eher gut durchkommen, anstatt neue Rekorde aufzustellen.
Meinen ersten Marathon bin ich im Juli im österreichischen Pitztal gelaufen. Auch kein gewöhnlicher- sondern der Gletschermarathon von der Gletscher Talstation bis runter nach Imst.
So völlig normal scheint mir nicht zu liegen.
Den habe ich jedenfalls in 3h. 15min absolviert. Was aber natürlich so gar keine richtige Aussage für eine Zielzeit bei einem flachen Großstadt Marathon mit wahrscheinlich hoher Luftfeuchtigkeit und Jetlag hergibt. Zusätzlich erst mein 2. Marathon überhaupt. Also ein Schuss ins blaue aber das war der erste Marathon auch schon 😉

Shenzhen 2014

Angekommen in China war das Wetter zum Glück deutlich schlechter als noch 1-2 Wochen zuvor. Nämlich keine fast 30° und 90% Luftfeuchtigkeit. Stattdessen Regen und um die 20°.
Das sorgt für saubere Luft und ein angenehmes Klima. Die Luft in Shenzhen ist allerdings generell nicht so schlecht, wie z. B. manche Horrorbilder aus Peking oder Shanghai zeigen.
Auch bei meinem letzten Besuch zwei Jahre zuvor war das Klima okay.
Glück für uns, denn so waren die Verhältnisse ja deutlich mehr auf der Seite von uns Europäern.

Das abholen der Startunterlagen haben wir zum Erstaunen der chinesischen Kollegen komplett selbst bewerkstelligt. War zwar ein ganz schön formaler Akt mit zusätzlicher Reisepasskopie und und und. Dennoch ging es ansonsten schnell und Problemlos. Auch, weil in Shenzhen fast alle öffentlichen Schilder zusätzlich in Englisch beschriftet sind. Auch der Metro Ticketautomat lässt sich auf Englisch umstellen. Den Rest schafft man dann gut mit „gucken wie es die anderen machen“.
Im Startbeutel gab es unter anderem ein Laufshirt, ein kleines Handtuch und was sich sehr cool fand: Eine Vorstellung verschiedener Pacemaker. Hab ich so auch noch nicht gesehen.
Als Konkret ein Foto von der/dem Pacemaker/in mit kurzer Vorstellung und Zielzeit. Finde ich ganz nett, so hängt man sich gefühlt nicht an jemanden völlig fremden.

Shenzhen 2014

In den 3 Tagen vor dem Marathon haben wir dann noch ein lockeres Programm inklusive Besichtigung der Hytera Produktionsstätten durchgezogen. 1-2 kurze Trainingsläufe um sich an das Klima zu gewöhnen und die Beine aufzulockern. Am Samstag dann noch der Besuch eines Freizeitparks in dem viele Kult- und Kulturstätten aus China in klein nachgebaut waren. Fast ganz China an einem Nachmittag. Auch nicht schlecht.
Zwischendurch immer wieder begeisterte Chinesen, die uns und vor allem mich als blonde Langnase um ein Foto baten. Oft nur durch Zeichensprache, aber die dann eindeutig.
Obwohl Shenzhen so dicht an Hongkong liegt und sich für mich schon sehr europäisch anfühlt, löst man als Europäer dort immer noch Aufsehen aus.
Hierbei darf man sicherlich nicht vergessen, dass man als Chinese eben nicht einfach mal nach Europa Reisen kann, wie wir Europäer nach Asien.
Höhepunkt war ein Foto mit chinesischem Baby auf dem Arm. Da das selbst meine Kollegen mit ungläubigem Gesichtsausdruck zurück ließ, gibt es davon leider kein Foto 😉Shenzhen 2014
Unsere „chinesische Reiseleiterin“ von Hytera China fühlte sich allerdings dazu genötigt, mir den Rat zu geben, mich doch als Fotomodell selbstständig zu machen.
Sie meinte für jedes Erinnerungsfoto etwas Geld zu bekommen, sollte für ein gutes Einkommen reichen 😀
Ich möchte gar nicht wissen, was eine Gruppe Schweden in der chinesischen Provinz auslösen würde…

Statt Pastaparty gabs Pizzaparty bei Pizza Hut. Was das Essen vor dem Marathon angeht, wollte niemand von uns ein Risiko eingehen. Wobei ich chinesisches Essen auch sehr mag und jedem die kantonesische Küche ans Herz legen kann!

Shenzhen 2014
Nun aber zum Marathon selbst.
Startzeit 8 Uhr morgens. Anfangs hatten wir noch etwas bedenken rechtzeitig mit der Metro dort anzukommen, hat aber alles reibungslos funktioniert. Dort ein ordentliches Getümmel, jede Menge Polizei und Militär und sogar die Taschen wurden beim Betreten des Platzes durchleuchtet.
Das ist dann beim Hermannslauf trotz auch so 7000 Teilnehmern etwas familiärer 😉

Shenzhen 2014

Ansonsten haben wir aber ohne Probleme die Startaufstellung gefunden, wo ich sogar noch einen Chinesen getroffen habe, der mich auf deutsch ansprach. Da war ich dann doch etwas überrascht. Ein bisschen Quatschen ist aber immer ganz gut, um die Anfangsnervosität runterzufahren.
Dann Startschuss und erstmal einsortieren. Trotz riesig breiter Straße jede menge Kreuz- und Quergelaufe.
Hatte ich zu Anfang noch befürchtet, der Lauf könnte auf Grund der Strecke eher langweilig werden, weit gefehlt. Immer wieder Cheerleadergruppen an der Strecke. Jede Menge Versorgung und bis zur Halbmarathon Distanz ein wackerer Chinese, mit dem ich mich gut auf Englisch unterhalten konnte. Danach musste er leider abreißen lassen, was meinem Rhythmus allerdings zu gute kam.
Als Verpflegung gab es Wasser, Iso, verschiedene Früchte inklusive Bananen und dazu noch Schwämme und feuchte Tücher. Das alle paar Kilometer. Wirklich perfekt.
Dazu noch die Chinesen, die uns wirklich sehr euphorisch zugejubelt haben und zahlreich an der Strecke vertreten waren.
Ich glaube so angefeuert worden bin ich bei noch keinem Lauf.
Polizisten, die mit ihren Handys Erinnerungsfotos machten und und und. Dazu noch diverse verkleidete Läufer. Nein Langweilig war es auf keinen Fall.
Zusätzlich zeigte sich gegen Ende, dass sich doch viele der Läufer übernommen hatten und ich konnte jede Menge Plätze gut machen.

Shenzhen 2014

Shenzhen 2014

Am Schluss konnte ich nochmal etwas zulegen und kam mit 3h 19min halbwegs fit ins Ziel. Da hat sich das gleichmäßige Tempo und das nicht auf der letzten Rille laufen ausgezahlt. Schließlich wollte ich ja auch etwas vom Lauf haben. Im Gürtel habe ich mein „Radhandy“ mitgenommen. Ein wasserfestes Sony Z3 compact. Fotografieren während des Laufs ging dann aber nicht wirklich gut. Aber ich weiß jetzt, dass es sturzfest ist *autsch*.

Aus unserer Läufergruppe sind alle gut durchgekommen und haben den Marathon erfolgreich beendet. Arnold, der älteste im Bunde, schon seinen 13. Marathon. Scheinbar keine Unglückszahl, obwohl er das erste mal ohne familiäre Unterstützung angetreten ist. Nett war allerdings seine Aussage nach dem Rennen, dass die unzähligen Chinesen an der Strecke an dem Tag seine Familie gewesen sind.

Im Ziel gab’s ne echt schicke Medaille mit gefühltem 1 kg Gewicht. Eigentlich wollte ich erstmal aufs stille Örtchen, musste aber doch gleich wieder Erinnerungsfotos schießen. Aber vor so einer grandiosen Fotowall mit schicker 42.195 km Marathondistanz in Übergröße macht man das ja gerne.
Die Zielverpflegung war dann allerdings nicht ganz auf europäischem Level. Da gab’s einen abgepackten Beutel mit Wasser, Iso und chinesischem Gebäck. Nicht ganz das, was ich nach 42 km gerne zu mir nehme.
Vielen Dank auch nochmal an unsere chinesische Kollegin Sally, die uns wie von Zauberhand, eine Tüte mit Cola, Wasser und Snickers organisiert hat.

Für die Shenzhener Presse durften wir auch noch ein Interview geben. Der Artikel über den Marathon ist hier abgedruckt. Also wer von euch Chinesisch kann – reingehauen!
In der Zeitung wurden auch alle Finisher unter 4h abgedruckt. Um meine Zeit rauszufinden, musste ich nicht mal Chinesisch können. Einfach solange scrollen, bis neben der Zeit keine chinesischen Schriftzeichen auftauchen 😉
Interessant ist, dass scheinbar generell keine Platzierungen angegeben werden. Lediglich die Gewinner wurden genannt. Da wurde allerdings eine Gruppe Afrikaner eingeflogen, die den Sieg unter sich ausgemacht haben. Aber immerhin einen von ihnen konnte ich überholen. Der scheint kurz vorm Ziel „explodiert“ zu sein und ging nur noch.
Laut Abzählung der Ergebnisse in der chinesischen Zeitung, dürfte meine Platzierung allerdings so bei 150 gelegen haben. Nur mal so als Einordnung des Laufniveaus dort.

Marathon in China bekommt also eine klare Empfehlung von mir. Danke nochmal an meinen großartigen Arbeitgeber, ohne den das nicht möglich gewesen wäre!
Die Neue Westfälische Zeitung hat auch noch ein kurzes Interview mit mir zu dem Lauf geführt. Auch wenn die dort angegebenen Zahlen und Zitate alle nicht so 100% korrekt sind, hier mal der Link.

Im Flickr Fotoalbum gibt’s noch mehr Bilder. Danach ging es für uns noch für 1,5 Tage nach Hongkong und von dort zurück nach Frankfurt. Über Hongkong folgt dann vllt. nochmal ein separater Bericht.

Shenzhen 2014
Shenzhen Universiade Center
Shenzhen 2014
Shenzhen 2014
Shenzhen 2014
Hytera Star Wars Lobby

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