Erfahrungsbericht Swiss Side Hadron 625

Swiss Side Hadron 625 Seit langem mal wieder ein Blogeintrag von mir. Liegt wohl daran, dass ich im Sommer dann doch lieber draußen bin und das Wetter nutze, als zusätzlich zu den berufsbedingten Stunden vorm PC noch Blogeinträge tippsel.
Ein paar hab ich noch auf Halde liegen, aber bevor ich mit der Qualität eines Beitrags nicht zufrieden bin, stelle ich ihn lieber nicht ein. Lieber Klasse statt Masse.

So nun aber weg von den Ausreden, die mein schlechtes Bloggewissen irgendwie auch nicht beruhigen können. Hin zum Thema des Beitrags.

Ich hab mir ein paar neue Laufräder gegönnt. Und zwar die Swiss Side Hadron 625.
Auf der Suche nach einem Aero Laufradset war ich schon länger, wollte jedoch wenn auch was Vernünftiges haben.
Zippetten sind auch gebraucht immer noch recht teuer. Als Tubular gabs das ein oder andere gute Angebote, aber Schlauchreifen wollte ich nicht.
A, weil ich keine Erfahrungen damit habe und den Installations-, sowie Wartungsaufwand scheue und B, der Gewichts- und Pannenvorteil bei meinem Fahrprofil auch nicht wirklich zum Tragen kommt.
Zwar hält der Reifen auch im plötzlichen luftlos Fall wohl noch auf der Felge, ohne Luft stehe ich dann trotzdem da.
Auf den letzten 5000km auf GP 4000s hatte ich nicht einen Platten während des Fahrens. Was natürlich irgendwie sowohl für,  als auch gegen Schlauchreifen spricht 😉
Is der Schlauchreifen platt, kann ich nicht mal eben den Schlauch tauschen und weiterfahren. Hab ich allerdings eh nie nen Platten, müsste ich die Dinger nur bei Verschleißgrenze tauschen müsste.
Laut Murphys Gesetzt hätte ich aber bestimmt den ersten Platten während der ersten 100km auf Schlauchreifen.

Swiss Side Hadron

Kurzum es sollte also ein voll alltagstauglicher Laufradsatz sein. Sowas wie die Zipp 404 Clincher oder ähnliches. Vollkarbon muss auch nicht unbedingt sein, dann würde bei jedem Laufradwechsel auch ein Bremsbelag Wechsel dazu kommen.
Wie eingangs schon erwähnt, verbringe ich meine Zeit lieber beim Training als bei Wartung und anderen Tätigkeiten. Auch liest und hört man immer wieder von verschiedensten Schleifgeräuschen, die solche Laufräder verursachen.
Durfte auch schon mal kurz mit ein paar AX-Lightness  durch die Gegend fahren. Die Räder sind schon geil aber das Bremsgeräusch würde kein  Normalbürger am Alltagsrad tolerieren 😉
Da sind wir Rennradfahrer ja schon etwas eigen. Für ein paar Gramm weniger mitunter doch sehr kompromissbereit.

Durch Zufall bin ich dann auf eine kurze Vorstellung der Swiss Side Hadrons gestoßen.
Swiss Side? Nie gehört. Haben die was mit DT Swiss zu tun? Nicht wirklich.
Also ein bisschen recherchiert…
Die bisherigen Laufräder der Marke sahen relativ nach Standard Rädern aus. Hübsch zwar, aber nichts was einen spontanen haben wollen Effekt bei mir ausgelöst hätte.
Anders die Hadrons. Erste Grafiken zeigten die Laufräder auf einer Windwiderstandsebene mit den gängigen Top Rädern anderer Marken bei deutlich geringerem Preis.
Also genau das, was das Werbeversprechen von Swiss Side aussagt.
Klang ehrlich gesagt ein bisschen zu gut.

Also weiter eingelesen und  geforscht. Da Swiss Side noch recht frisch am Rennrad Himmel ist, haben sie eine clevere Marketing Strategie gewählt. Sie beteiligten ihre Kundschaft direkt an der Entwicklung der Laufräder mit fortwährenden Updates über den Entwicklungsprozess.
Das sorgt nicht nur für dauerhaftes hochhalten des Interesses, sondern stärkt natürlich auch ein bisschen das „hier geht jemand auf Kundenwünsche ein“ Gefühl.

Swiss Side Hadron 625

Die Hadron Projektseite ist natürlich relativ marketinglastig und geht mir ein bisschen zu oft auf die Formel 1 Vergangenheit des Firmengründers ein.  Tatsächlich lässt sich diese durch Google Recherche kaum belegen. Bei der Expertise muss man also auf Swiss Side Vertrauen.
Trotzdem funktioniert die Botschaft.
Ich als technikbegeisterter Mensch kann mir schon vorstellen, dass Windkanal- und Simulations Know-How zu einem schnellen und erfolgreichen Laufrad Entwicklungsprozess führen kann.

Als proof of concept im Rahmen der Eurobike Rad Journalisten einzuladen und sie die Laufräder beliebig gegen Mitbewerber testen zu lassen, zerstreute meine Bedenken dann so sehr, dass mir die 799€ Vorbestellerpreis als gutes Angebot erschienen.
Schaut man sich den Aufbau des Rades an, so erscheint der Preis auch glaubwürdig. Im Wesentlichen Standardkomponenten wie eine Alu Bremsflanke, angereichert durch das aufgesetzte Carbon Aero Profil. Das ganze noch garniert mit einem Direktvertrieb alla Canyon. Kann man machen!

Am 2.10.2014 sind die Räder schließlich bei mir eingetroffen. Etwas nach dem ursprünglich angepeilten Lieferdatum aber Verzögerungen wurden laufend kommuniziert.
Insofern kann ich die Bestellabwicklung als wirklich gut einstufen.

Mit im Karton gab’s noch zwei hübsche Trinkflaschen, Ersatzspeichen und ein paar Aufkleber. Wer ein Unboxing Video möchte. Darragh Delaney hat eins bei Youtube eingestellt:

Das Design ist wie immer Geschmackssache. Die kleinen Farbakzente durch die drei eingefärbten Speichen finde ich gut gelöst. Die Decals auf den Carbonflanken könnten für meinen Geschmack etwas weniger unruhig sein. Hier ist weniger in meinen Augen mehr und ich trauere mal wieder meinem alten Rennrad Rahmen hinterher, der von Canyon ausgetauscht werden musste.
Dieser hatte auch deutlich weniger Aufschriften als der jetzige.
Das rein weiß passt allerdings besser zu dem Design der Hadrons, als es mein alter metallic weißer Rahmen getan hätte.

Swiss Side Hadron 625

An der Qualität ist nichts zu bemängeln. Einzig das Felgenband war bei einer Felge nicht ganz passig mit dem Ventilloch aufgebracht.
Also schnell ein paar Schwalbe extra light Schläuche mit 80mm Ventillänge und Conti GP 4000S II installiert um die Dinger auf der Straße zu testen.
Die 80mm Ventillänge ist wichtig, möchte man nicht die mitgelieferten Ventilverlängerungen nutzen.

Ersteindruck schon beim Rad Schieben: „Man sind die laut“.
Durch den hohlen Carbon Aufsatz entsteht scheinbar ein 1A Klangkörper, der jeglichen Schall gut verstärkt.
Meine Mavic R-Sys SL sind dagegen flüsterleise. Selbst der Freilauf ist bei denen kaum zu hören.
Wer also auf Ruhe und heimliches von hinten am Windschatten nuckeln steht, wird mit den Hadrons auf jeden Fall nicht glücklich.
Wirklich jeder kleine Stein oder Ast auf der Straße hört sich schon fast nach Ladycracker an.
Fußgänger gucken sich erschrocken um, wenn man mit 40 km/h heransirrt und eine Klingel ist bei dem Freilaufgeräusch wirklich unnötig.

Jetzt zu entscheidenden Radler Frage. Machen die Laufräder schneller.  Subjektiv und laut einem der ersten unabhängigen Testberichte durch das Tour Magazin schon.
Auch die Tour sieht die Räder ungefähr auf einer Ebene z. B. mit den Zipp 404 und leicht hinter den 808. Wobei die 808er auch ein noch höheres Profil haben.
Im direkten Vergleich mit meinen R-Sys, bei gleichem Luftdruck und auch den gleichen Reifen, ist der rein spürbare Unterschied erstmal gering.
Und das obwohl die R-Sys mit die unaerodynamischsten Eigenschaften am Markt haben sollen.
Hier gibt es eine schon etwas ältere Auflistung von Watt Werten zu den jeweiligen Laufrädern:
http://www.rouesartisanales.com/article-15505311.html

Dieser Test sagt also, bei 50km/h ist der Unterschied zu den 2007er Zipp 404 etwa 15 Watt. Da wird schnell deutlich, in welchen Bereichen man sich bewegt und was davon auf einem normalen Rennrad spürbar ist. Objektiv ziemlich wenig.
15 Watt sind eine Menge Holz aber bei Geschwindigkeiten unter 50 km/h verringert sich dieser Wert natürlich merklich. Das erklärt, warum ich auf meiner Hausrunde über 20km keinen direkten Vorteil für die Hadrons gemessen habe.  Meine Zeit ist jedenfalls nicht plötzlich 1 km/h schneller geworden bei gleicher Watt Zahl.
Für solche Nuancen müsste ich schon eine dedizierte Teststrecke direkt hintereinander mit gleicher Geschwindigkeit  befahren. Und selbst dann wird es schwer auf dem Leistungsmesser solch einen Unterschied heraus zu messen.
Denn der Widerstand des Fahrers macht natürlich nach wie vor den Großteil des Widerstandes aus.

Swiss Side Hadron 625

Falls ich mal Zeit und Muße habe, werde ich eine kleine Vergleichsstrecke machen. Vielleicht gelingt es mir zumindest eine Tendenz zu messen.
Montiert man die Teile auf ein Zeitfahrrad, sieht der spürbare Vorteil sicherlich gleich wieder anders aus. Dann nimmt auf Grund der optimierten Position der Widerstand des Fahrers ab, und der Anteil der Komponenten wächst.

Wo ich meine, eine deutliche Verbesserung zu spüren, ist bei allem, was mit leichtem Rückenwind oder bergab vonstatten geht.
Sprich alles was an 40km/h und darüber beträgt. Da erziele ich leichter höhere Geschwindigkeiten, als mit den Mavic R-Sys oder auch den Ksyrium SL.
Ist auch logisch, da der Vorteil der Aero-Profile mit jedem richtig schnellen Kilometer natürlich auch quadratisch mitwächst.

Allerdings ist natürlich auch der psychologische Vorteil nicht zu unterschätzen. Das Geräusch, wenn man mit den Dingern im Wiegetritt eine kurze Steigung hochjagt, ist schon zucker und motiviert noch ein bisschen mehr Gast zu geben.

Swiss Side Hadron 625

Was die Steifigkeit und Bremsperformance angeht, kann ich mich nicht beklagen. Mit 77kg gehöre ich sicherlich nicht zu den leichtesten Fahrern aber bisher hab ich mich auf den Rädern immer sicher und auch Berg gut unterwegs gefühlt.
Auf einer Testrunde mit über 150km und 1600hm hat nichts gequietscht, geklappert oder an den Bremsen geschliffen.
Kleiner Nachteil ist die deutlich größere Felgenbreite als bei meinen anderen Laufrädern. D. h. ich muss beim Wechsel auf jeden Fall die Bremsen nachjustieren. Hatte ich vor dem Kauf ehrlich gesagt nicht drüber nachgedacht, ist aber auch relativ schnell gemacht.

Fazit:
Für den Preis kann ich die Laufräder auf jeden Fall empfehlen. Die etwas unaufgeräumte Dekor Optik ist sicher nicht jedermanns Sache aber laut Facebook arbeitet Swiss Side schon an einer cleanen stealth Variante.
Eine Vollcarbon-Felge oder die durchgefärbten Mavic Exalith Räder sind vom Look her sicherlich noch etwas schöner, haben aber auch ihren Preis und Einbußen bei der Bremsperformance und Praxistauglichkeit.

4 Comments

  1. Hi Frank,
    kann man bei den Hadrons die Decals entfernen ? Sind das mehrere Decals oder ein großer ? Mich stören duie roten Streifen etwas. Danke
    Gruß
    Jörg

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    • Hallo Jörg, sorry für die verspätete Antwort. Eigentlich sollte ich bei Kommentaren eine Email Benachrichtigung bekommen. Da is aber nix. Muss ich wohl mal checken.

      Zu den Decals:
      Ob man sie entfernen kann, kann ich dir nicht genau sagen. Hab ich noch keine Erfahrungen mit. Weiß aber, dass die Frage auch schon mal auf der Facebook Seite von Swiss Side hoch kam. Da war der Hersteller Kommentar, dass sie wohl an einem Stealth Set arbeiten. Ohne Decals.

      Reply
  2. Hallo Frank,
    toller Bericht! So einen Einschätzung kann wirklich gut bei Kaufentscheidungen helfen.
    Es grüßt dich freundlich
    Andre Burholt

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